Stiftskirche
Gottes Zelt unter den Menschen
Die Entstehung unserer Pfarrkirche geht zurück auf eine Stiftung des Grafen Gottfried von Cappenberg, der seine Stammburg 1121 dem Ordensgründer Norbert von Xanten zur Errichtung eines Prämonstratenserklosters übertrug. 1122 begannen im Burghof die Arbeiten zur Errichtung der Klosterkirche, die mit der Kirchweihe im Mai 1149 ihren vorläufigen Abschluss fanden.
Ursprünglich im rein romanischen Stil mit halbrundem Chorabschluss errichtet, erhielt die Kirche Ende des 14. Jhdts. nach einem Brandschaden eine gotische Umgestaltung, in derem Zug ein gotischer Chorabschluss mit hohen Maßwerkfenstern errichtet sowie ein gotisches Deckengewölbe eingezogen wurde. Zur besseren Beleuchtung des Innenraums wurden zusätzlich zu den kleinen romanischen Fenstern halbhohe Maßwerkfenster in die Wände der Seitenschiffe gebrochen.
Der zunächst den Vorstellungen eines Reformordens entsprechend sehr schlicht gestaltete Kirchenraum erhielt insbesondere zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert seine reichhaltige und kunstsinnige Ausstattung, nachdem das einst strenge Reformkloster sich zu einem adeligen Chorherrenstift gewandelt hatte.
Zu den bedeutendsten Ausstattungsstücken gehören der kleine Flügelaltar des Jan Baegert (um 1530), das Cappenberger Crucifix (um 1230) sowie das beeindruckende Chorgestühl (1509-1520), das in seinen reichen Schnitzereien einzigartig dasteht im ganzen westfälischen Raum. Auch bedeutende Reste einer zwischenzeitlich barocken Ausstattung der Kirche sind erhalten, wie Gemälde und Altaraufbauten sowie die in Gottesdiensten und Konzerten häufig erklingende Hauptorgel des westfälischen Orgelbaumeister Caspar Melchior Vorenweg von 1788.
Bekannt ist die Cappenberger
Stiftskirche zudem durch einen ganz besonderen Schatz, der auf die enge
Verbindung der Stifterfamilie um Gottfried von Cappenberg mit dem
schwäbischen Herrschergeschlecht der Staufer hinweist: Nach seiner
Krönung zum Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation
überließ Friedrich von Staufen, genannt Barbarossa, seinem Paten
Otto von Cappenberg wertvollste Geschenke: eine Portraitbüste, die
Otto in ein Reliquiar Johannes d. T. umwandeln ließ, eine Schale
zur Erinnerung an die Taufe sowie ein Kreuz mit Reliquien (letzteres heute
verschollen).
Nach der staatlich
erzwungenen Aufhebung des Stiftes im Jahre 1803 gelangte die Klosteranlage
mit Ausnahme der Kirche in das Eigentum des Freiherrn vom und zum Stein, der
Cappenberg zu seinem Altersruhesitz erwählte und das inzwischen barocke
Klostergebäude in das heutige Schloss Cappenberg umwandeln ließ.
Dessen Nachfahren, die Familie Graf von Kanitz, sind die heutigen Besitzer
von Schloss Cappenberg.
Die Kirche hingegen verblieb im Besitz des Staates und ist heute Sondervermögen des Landes Nordrhein-Westfalen. Das alleinige Nutzungsrecht an der Kirche aber liegt entsprechend den Stein'schen Klauseln bei der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes Evangelist, die 1832 nicht zuletzt auf Drängen des protestantischen Freiherrn vom und zum Stein kurz nach dessen Tod durch das Bistum Münster errichtet wurde, und deren Pfarrkirche die ehemalige Klosterkirche nunmehr ist.

